Wann ist Nikotin endlich out?

Thema der Woche, 21.10.2019 von Dr. Marlies Karsch, Chefredakteurin

Wann ist Nikotin endlich out?

Die Bundesdrogenbeauftragte fordert ein Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte und E-Zigaretten. Damit ist sie weder die erste noch die einzige. Obwohl sich zahlreiche Gesundheitspolitiker, ärztliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und Patientenvereinigungen seit Jahren für ein Werbungsverbot aussprechen, sind in Deutschland weiterhin Außenwerbung und Kinowerbung für Tabakprodukte und E-Zigaretten erlaubt. Auch wir haben das Problem bereits als Thema der Woche im September 2017 behandelt. Deutschland ist inzwischen das einzige Land in Europa, in dem Zigarettenwerbung noch erlaubt ist. Woran das liegt, ist wirklich schwer zu verstehen. Bisher hat wohl die Unionsfraktion im Bundestag eine entsprechende Gesetzesänderung blockiert. Was für einen Interessenskonflikt können Politiker haben, der schwerer wiegt als die Tatsache, dass in Deutschland mehr Menschen rauchen (28 %) als in vielen anderen EU-Ländern und hierzulande jährlich über 100.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben?

Raucherentwöhnung ist schwierig. Manches spricht dafür, dass E-Zigaretten dabei hilfreich sein können. Die Datenlage hierzu und zu eventuellen Langzeitfolgen ist umstritten. Raucher, die auf E-Zigaretten umsteigen wollen, müssen dazu sicher nicht durch Werbung animiert werden. Aber das scheint auch nicht das Ziel der Zigarettenindustrie zu sein. Die Werbung zielt in erster Linie auf Kinder und Jugendliche, die dazu verführt werden sollen, mit dem Rauchen oder Dampfen anzufangen. Die Bundesdrogenbeauftragte kritisiert auch besonders, dass die Werbung für Rauchprodukte diese Zielgruppe ansprechen möchte.

Was das Rauchen an Krankheit und Todesfällen anrichtet, ist eigentlich unbestritten und macht die Gesetzeslage hierzulande umso unverständlicher. Erwähnt seien hier COPD, Bronchialkarzinom, Larynx- und Mundhöhlenkarzinome sowie kardiovaskuläre Erkrankungen, wie pAVK, Herzinfarkt und Schlaganfall. Gerade bei jungen Frauen führt Rauchen in Kombination mit einer Einnahme der „Pille“ auch zu einem erhöhten Thromboembolierisiko.

Bezüglich der Tabak- und Rauchproduktwerbung gilt dasselbe wie für jede andere Werbung auch: Wenn sie nicht effektiv wäre, würde die Industrie dafür kein Geld ausgeben. Das heißt im Umkehrschluss, Werbung führt zu mehr Nikotinkonsum. Dass man das nicht exakt in dadurch verursachte Erkrankungs- und Todesfälle umrechnen kann, ist klar. Aber dass durch Werbeverzicht viel Leid verhindert werden könnte, auch.

Marlies Karsch, Chefredakteurin