Arztberuf als Selbstschutzmaßnahme

In der meist überfüllten Notaufnahme herrschen oft lange Wartezeiten, die nicht selten mit einer Fehlbehandlungen enden. Patienten mit einem medizinischen Hintergrund können rechtzeitig eingreifen, aber was können wir Hausärzte tun, um den "normalen Patienten" besser auf einen Klinikbesuch vorzubereiten?

Arztberuf als Selbstschutzmaßnahme

Thema der Woche, 01.04.2019 von Dr. Marlies Karsch, Chefredakteurin

Letzte Woche suchte ich wegen einer akuten Erkrankung, ich nenne es mal akutes Abdomen bei Lebensmittelvergiftung, eine Notaufnahme auf. Dort war sehr viel los, und ich musste stundenlang zusammengekrümmt auf einer Liege auf einen ärztlichen Kollegen warten. Inzwischen fragte mich aber eine Schwester, was für Medikamente ich als Ärztin gerne hätte. Ich äußerte meine Anordnungen, bekam nacheinander die gewünschten Kurzinfusionen und fühlte mich schon etwas besser. Der junge internistische Arzt in Weiterbildung, der mich nach drei Stunden untersuchte, fachsimpelte sehr freundlich und kollegial mit mir über meine Beschwerden. Er war mit mir einer Meinung, dass der Bauch nicht in Ordnung sei, und ließ mich noch chirurgisch und gynäkologisch untersuchen. Auf dem Weg zur Gynäkologie wurden meine Beschwerden wieder sehr stark, und ich musste erneut lange warten. Eine nette Nachschwester verabreichte mir noch einmal Medikamente i.v. nach meinen Vorgaben. Am nächsten Tag waren die Beschwerden erträglich. Die Ärztinnen auf der Gynäkologie hatten nicht ganz mitbekommen, warum ich überhaupt da war. Sie entließen mich mit einem inhaltsleeren Arztbrief mit falschen Daten und ohne die ausführlichen Befunde des internistischen Kollegen. Ich holte mir noch meine Laborwerte beim Pflegestützpunkt, fuhr nach Hause und kochte mir einen Tee.

Das war ein sehr unangenehmes Erlebnis für mich. Vermutlich war an diesem Abend in der Klinik einfach zu viel Betrieb, das Personal unterbesetzt und die Organisation nicht ganz ideal. Letztendlich wurde mir geholfen, jedoch nur weil ich die Sache selbst in die Hand genommen hatte. Dass der Entlassbrief völlig informationsfrei ist, spielt keine Rolle, weil ich selbst weiß, was los war. Was aber machen „echte“ Patienten in so einer Situation? Also Patienten, die einfach nur krank und nicht zufällig noch Ärzte sind? Wer hilft denen? Wie navigiert man eigentlich durch dieses Gesundheitssystem, wenn man nicht durch eigene medizinische Fachkenntnis geschützt ist?

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Mir fallen spontan mehrere Fälle ein, wo Patienten besser behandelt worden wären, hätten Sie selbst auf eigene ärztliche Kompetenz pochen können oder wären zumindest in ärztlicher Begleitung erschienen. So denke ich zum Beispiel an eine Patientin, die wegen hohem Fieber, Atemnot und Kreislaufbeschwerden aufgrund eines auffälligen Röntgenbildes in der Klinik zunächst als Pneumonie behandelt wurde, am nächsten Tag aber wegen einer Verwechslung dieses Röntgenbildes mit einem Normalbefund trotz typischer Klinik nach Hause geschickt wurde. Wäre mir das auch passiert? Eine andere Patientin wurde in der Notaufnahme als renitent bezeichnet, weil sie, völlig berechtigt, fragte, ob ihre akute Appendizitis nicht lieber konservativ mit Antibiotika behandelt werden könnte. Und eine betagte demente Patientin, die zum Legen eines suprapubischen Blasenkatheters in die Urologie-Ambulanz überwiesen worden war, kam zweimal, trotz klarer Angaben auf dem Überweisungsschein, mit einem Dauerkatheter zurück. Erst beim dritten Versuch hatte sie einen suprapubischen Katheter. Hier wäre anscheinend eine dauernde ärztliche Begleitung sinnvoll gewesen.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, Patienten noch besser zuzuhören, wenn sie mir erzählen, was bei einem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt schiefgelaufen ist. Es ist eine hausärztliche Aufgabe, hier den Patienten als eine Art ärztlicher Beschützer zur Seite zu stehen. Selbstverständlich können wir nicht überall dabei sein und mitreden. Spätestens an der Tür der Notaufnahme oder anderer Praxen endet dann doch unser Kompetenzbereich.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

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