Orthopädie bei Kindern: Wer kennt sich da aus?

Kinderorthopädie fällt nicht unbedingt in den Bereich der Hausarztmedizin, dennoch kommen Eltern mit betroffenen Kindern oft zuerst in die Hausarztpraxis.

Orthopädie bei Kindern: Wer kennt sich da aus?

Thema der Woche, 18.02.2019 von Dr. Marlies Karsch, Chefredakteurin

Die wenigsten Hausärzte würden von sich behaupten, dass sie über eine besondere Expertise im Bereich der Kinderorthopädie verfügen. Dennoch werden im Praxisalltag immer wieder mal Kinder mit Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates von ihren besorgten Eltern vorgestellt. Man kann davon ausgehen, dass sogenannte „Wachstumsschmerzen“ ein relativ häufiges Problem sind und Malignome des Bewegungsapparates, wie z.B. das Ewing-Sarkom, dagegen sehr selten. Dennoch gibt es auch andere ernsthafte Erkrankungen, die nicht so selten sind und erkannt und behandelt werden sollten, wie z.B. eine juvenile idiopathische Arthritis, Spondylolyse und Spondylolisthesis oder Spondylarthropathien. Einen Überblick über mögliche Differenzialdiagnosen bieten unsere Artikel chronische muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern und Rückenbeschwerden bei Kindern.

Einwärts- und Auswärtsgang sind häufige Fragestellungen bei Kindern. Die meisten Ursachen, insbesondere für den Auswärtsgang, sind harmlos und bilden sich im Laufe des Wachstums spontan zurück. Auch beim Einwärtsgang liegt in der Regel eine harmlose Ursache, wie eine erhöhte Femur-Antetorsion vor. Es kann sich aber auch um ein Zeichen einer Hüftgelenksdysplasie oder eines Klumpfußes (Pers equinovarus) handeln. Weiterführende Informationen bietet auch unser Artikel angeborene Fußdeformitäten.

Ein hinkender Gang bei Kindern, insbesondere, wenn er akut aufgetreten ist, hat oft eine pathologische Ursache, am häufigsten eine Erkrankung des Hüftgelenks. Bei Hinken ist die Diagnose „Wachstumsschmerzen“ eine Ausschlussdiagnose, zumal diese beidseitig auftreten und nicht mit Hinken einhergehen. Durch eine Fehldiagnose Wachstumsschmerzen können sich Diagnose und Behandlung schwerer Erkrankungen verzögern. Bei Kleinkindern können neben der Hüftgelenksdysplasie auch eine okkulte Fraktur oder eine Beinlängendifferenz vorliegen. Bei Schulkindern sollte man an eine Coxitis fugax, einen Morbus Perthes oder eine juvenile idiopathische Arthritis denken. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren kann unter anderem eine Epiphyseolysis capitis femoris, ein Morbus Osgood-Schlatter oder ein patellofemorales Schmerzsyndrom vorliegen. In allen Altersgruppen sollten bei entsprechenden klinischen Hinweisen eine septische Arthritis, eine Osteomyelitis, eine Ermüdungsfraktur, Tumoren (Sarkome) oder eine Leukämie ausgeschlossen werden. Auffällige Widersprüche zwischen den Symptomen und dem Verletzungsmechanismus können auf Kindesmisshandlunghinweisen. Bei Unsicherheit bezüglich Diagnose und Therapie sollen Kinder und Jugendliche mit hinkendem Gang ohne zu zögern an Spezialisten für Kinderorthopädie oder, je nach Fragestellung, auch für Kinderrheumatologie überwiesen werden.

Marlies Karsch, Chefredakteurin