Der Freitagsfall: Sie kratzt da immer rum

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Sie kratzt da immer rum

Frau L. kommt mit ihrer vierjärigen Tochter Ronja in Ihre Nachmittagssprechstunde und zeigt Ihnen diese Hautveränderung im Gesicht:

Kommentar

Der honiggelbe Schorf spricht für eine Impetigo contagiosa, wobei vom klinischen Bild nicht sicher zwischen einer Infektion mit Stapylococcus aureus (häufiger) und A-Streptokokken unterschieden werden kann. Problematisch ist vor allem der Befall eines Nasenlochs, da die Nasenschleimhaut einen schwer zu erreichenden Rückzugsraum für die Erreger darstellt.

Die Eltern sollten zunächst auf die hohe Ansteckungsgefahr, vor allem durch Aufkratzen und Autoinokulation bzw. Übertragung auf andere Kinder, und die Notwendigkeit einer strikten Hygiene (getrennte Waschlappen und Handtücher!) hingewiesen werden. Nach Aufweichen und Ablösen der Krusten mit Wasser und Seife sollten die befallenen Stellen z. B. mit Polyvidon oder Chlorhexidin desinfiziert werden. Wenn eine lokale Antibiotikatherapie nötig ist, sollten Fusidinsäure-Cremes aufgrund der hohen Resistenzraten nicht mehr verordnet werden. Bei ausgedehnten Läsionen oder wenn eine lokale Antibiotikaanwendung nicht erfolgreich ist, ist eine systemische Antibiotikagabe ratsam.

Kindergarten und soziales Umfeld sollten informiert und ggf. auf das Auftreten weiterer Infektionen hin beobachtet werden. Kinder mit Impetigo können einen Tag nach Beginn der Therapie mit Antibiotika, wenn die eiternden Hautläsionen abgeheilt sind, den Kindergarten wieder besuchen.

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