Unter Druck

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Unter Druck

Patientenbeispiel vom 17.05.2019

Die 46-jährige Frau war eigentlich nur in Ihre Praxis gekommen, um ein Wiederholungsrezept für Augentropfen abzuholen. Bei der Gelegenheit hatte sie die MFA gebeten, ihren Blutdruck zu messen, und das Ergebnis war 158/100. Inzwischen hat sie sich über die mit Bluthochdruck verbundenen Risiken informiert, und nun sitzt sie Ihnen erwartungsvoll gegenüber und fragt, welche Medikamente sie zur Blutdrucksenkung nehmen soll.

Kommentar

Zunächst einmal wiederholen Sie die Blutdruckmessung, in Ruhe und an beiden Armen. Ein unter Praxisbedingungen gemessener RR ist als pathologisch anzusehen, wenn er bei mehr als einer Konsultation bei wiederholten Messungen über 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch liegt. Bei jeder Konsultation sollten 3 Blutdruckmessungen (Abstand 1–2 min) vorgenommen und der Durchschnitt der beiden letzten Messungen verwendet werden. Eine Weißkittelhypertonie ist durch erhöhte Blutdruckwerte in der Praxis, jedoch normale Blutdruckwerte bei Messungen außerhalb der Praxis (z.B. ambulante 24h-Messung) gekennzeichnet.

Wenn die Diagnose einer Arteriellen Hypertonie gesichert ist, stellen sich einerseits Fragen nach weiteren Risikofaktoren: eigene und Familienanamnese kardiovaskulärer Erkrankungen, Rauchen, Bewegungsmangel, Hyperlipidämie, Diabetes. Andererseits werden Sie nach bereits vorliegenden Organschäden und möglichen Ursachen einer sekundären Hypertonie suchen: körperliche Untersuchung, EKG, Laborwerte, wie z.B. Elektrolyte, Cholesterin, Blutzucker, Nieren- und Schilddrüsenwerte. Parallel werden Sie eine Lebensstiländerung (Nichtrauchen, Gewichtskontrolle, Bewegung, Ernährung) empfehlen. Eine medikamentöse Therapie ist bei mangelndem Erfolg dieser Maßnahmen und abhängig vom Ergebnis einer Risikostratifizierung z. B. durch ARRIBA indiziert.