Wie viele Spritzen denn noch?

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Wie viele Spritzen denn noch?

Patientenbeispiel vom 26.04.2019

Die Mutter eines 3 Monate alten Säuglings berichtet in Ihrer Sprechstunde, das Kind habe bereits zweimal einen Sechsfach-Impfstoff erhalten. Sie fragt Sie, ob diese vielen Impfungen den kindlichen Organismus nicht zu sehr belasten würden. Sie selbst sei im letzten Jahr vom Betriebsarzt gegen Grippe geimpft worden und habe mitgeteilt bekommen, dass sie sonst keine Impfungen benötige. Sie könne sich sonst an weitere Impfungen nicht erinnern.

Kommentar

Die Mehrfachimpfung ab dem 3. Lebensmonat entspricht völlig Impfempfehlungen der STIKO. Säuglinge sind aufgrund ihres unreifen Immunsystems und nicht durchgemachter Infektionen viel mehr gefährdet als Erwachsene. Die „Vielfach-Impferei“ dient gerade dazu, ihnen wenigstens die schlimmsten Infektionskrankheiten zu ersparen. Es ist anerkennenswert, wenn Eltern ihren Säugling möglichst vor Belastungen schützen wollen, aber dann widersprüchlich, wenn sie eine schon im Normalverlauf extrem belastende Maserninfektion o. Ä. in Kauf nehmen. Hier bleibt nur eine Risikoabwägung, die bei den anerkannten Impfempfehlungen eindeutig zugunsten der Impfung ausfällt.

Das heißt aber nicht, dass die Mutter sich nicht auch um den eigenen Impfschutz kümmern sollte. Wenn wir schon beim Thema sind, sollte sie den eigenen Impfpass mitbringen. Nicht dokumentierte Impfungen gelten als nicht durchgeführt; bei lange zurückliegenden, aber dokumentierten Impfungen gilt „Jede Impfung zählt“. Empfehlung von Td alle 10 Jahre, Pertussis einmalig, IPV Polio einmalige Auffrischung, auch nach oraler Grundimmunisierung, andere Impfungen nach Indikation; MMR bei nach 1970 Geborenen 1-mal; Varizellen nur, wenn keine Erinnerung an durchgemachte Infektion.