Der Freitagsfall: Eine Frage der Vorsorge

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Der Freitagsfall: Eine Frage der Vorsorge

Patientenbeispiel vom 05.04.2019

Ein 53-jähriger Ingenieur, den Sie in den letzten Jahren nur selten gesehen haben, wünscht einen möglichst umfassenden Gesundheits-Check. Gefragt, warum ihm das gerade jetzt wichtig sei, erzählt er, bei einem Arbeitskollegen sei bei einer Vorsorgeuntersuchung beim Urologen ein auffälliger Laborwert festgestellt worden. Es handle sich wohl um Prostata-Krebs. Er selbst sei immer sehr sportlich gewesen, habe sich nie krank gefühlt. Seit er von dem Befund bei dem Kollegen gehört habe, bemerke er aber gelegentlich vermehrtes Schwitzen, raschere Ermüdbarkeit und Schlafstörungen.

Kommentar

„Vorsorge“ sollte man nur Maßnahmen der (Primär-) Prävention nennen; was der Patient wünscht, ist „Früherkennung“. Sinnvolle Früherkennungsmaßnahmen betreffen häufige Erkrankungen, bei denen eine einfache Diagnostik mit hoher Sensitivität und Spezifität möglich ist und bei rechtzeitiger Intervention kurative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen: z. B. kolorektales Karzinom, Zervixkarzinom, Mammakarzinom, Malignes Melanom.

Wenig sinnvoll ist Früherkennung bei Erkrankungen mit unzureichender Behandlungsmöglichkeit, z. B. Bronchialkarzinom. Dasselbe gilt auch für Erkrankungen mit häufig günstigem Spontanverlauf, wie das hier angesprochene Prostatakarzinom; gegen die Früherkennung spricht hier auch die geringe Spezifität der Diagnostik (PSA-Erhöhung).

Die Symptome weisen bei diesem Patienten eher auf ein nicht-onkologisches Problem hin: Müdigkeit, somatoforme Körperbeschwerden, Depression, Angst.